Zahnimplantate

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Was sind Zahnimplantate?

Zahnimplantate sind künstliche Zahnwurzeln aus einem gewebeverträglichen (biokompatiblen) Material, die zum Ersatz eines verloren gegangenen Zahnes operativ in den Kieferknochen eingepflanzt wird. Als Standard haben sich heute Zahnimplantate aus reinem Titan durchgesetzt. Titan ist ein einzigartiges Metall: Der Knochen verwächst ohne trennende Zwischenschicht mit seiner Oberfläche: man nennt diesen innigen Kontakt zwischen Knochen und TitanOsseointegration. Reintitan ist so gewebefreundlich, dass es weder Abstossungs- noch Überempfindlichkeitsreaktionen (Allergien) auslöst und auch keine entzündliche Reaktion der Mundschleimhaut verursacht. Aufgrund seiner extrem gewebeverträglichen Eigenschaften wird das harte und belastungsfähige Titan heute in grossem Stil auch für andere medizinische Implantate, z.B. Hüftgelenke, Herzschrittmacher etc. eingesetzt. Die Titan-Oberfläche von Zahnimplantaten wird mit speziellen Verfahren angeraut, um die Haftung der Knochenzellen zu verbessern und die Einheilung zu beschleunigen.

Zahnimplantate sind heute üblicherweise zylindrische oder leicht konische (Zahnwurzel-Form) Schrauben und haben normalerweise eine Länge von 6-18 mm und einen Durchmesser von 3-6 mm. Der Implantatkopf beherbergt ein kleines Innengewinde, das den Anschluss des Aufbau-Pfostens (das sogenannte Abutment) ermöglicht. Je nach Verwendungszweck (Kronen, Brücken Prothesen) gibt es unterschiedliche Abutments.

Indikationen von Zahnimplantaten

Mit der Implantattechnik lässt sich:

  • ein einzelner Zahn ersetzen,
  • eine Zahnlücke füllen (zwei oder mehr Zähne),
  • eine verkürzte Zahnreihe ergänzen,
  • ein ganz zahnloser Kiefer versorgen.
  • Wann sollen Zahnimplantate gesetzt werden?

Knochengewebe braucht ein gewisses Maß an Belastung. Gehen Zähne verloren, fehlt diese natürliche Belastung. Ohne die Stimulation der Kaukräfte baut sich der Knochen in den betroffenen Kieferabschnitten ab. Implantate, die wie natürliche Wurzeln die Kaukräfte an den Kieferknochen weiterleiten, verhindern diesen Knochenschwund. Zahnimplantate sollten deshalb möglichst früh nach einem Zahnverlust eingesetzt werden. Ein früher Implantationszeitpunkt ermöglicht bessere ästhetische Ergebnisse, wenn sich die Strukturen von Knochen und Weichgewebe noch nicht abgebaut haben.

Nach einem Zahnverlust oder einer Zahnextraktion kann mit dem Setzen eines Zahnimplantats unterschiedlich lange zugewartet werden.

  • Sofortimplantation: Erfolgt direkt nach dem Zahnverlust. Sie darf nur zur Anwendung kommen, sofern nach der Extraktion die Alveole (das leere Zahnfach) entzündungsfrei ist. Sie kann mit einem erhöhten Verlustrisiko einhergehen.
  • Frühimplantation: Erfolgt 4 bis 8 Wochen nach der Zahnextraktion. Die Heilung des Weichgewebes ist weitgehend abgeschlossen.
  • Implantation 3 bis 4 Monate nach der Extraktion: Das Weichgewebe ist abgeheilt, der Knochen beginnt zu heilen.
  • Spätimplantation: Erfolgt nach sechs Monaten oder mehr im vollständig abgeheilten Knochen

Konstruktionsprinzip eines Zahnimplantates:

  • Implantatkörper (enossaler Teil)
  • Aufbauteil / Distanzhülse (auch Abutment, Sekundärteil genannt)
  • Verbindung zwischen dem Implantatkörper und der Suprakonstruktion
  • Suprakonstruktion (Implantatkrone/ Aufbau)
  • Suprakonstruktionen auf Zahnimplantaten können festsitzend sein, z. B. Einzelkronen oder Brücken, oder bedingt herausnehmbar gestaltet werden, z. B. steggelagerte Totalprothesen.

Wie läuft eine Zahnimplantat-Behandlung ab?

Behandlungsplanung

Vor einer Implantation werden die natürlichen Zähne saniert und etwaige Zahnfleischerkrankungen behandelt und auskuriert. Für eine Zahnimplantat-behandlung sind eine ausführliche Diagnostik und Behandlungsplanung erforderlich. Die Untersuchung umfasst die Beurteilung der gesamten Mundhöhle, der Schleimhaut, der Zähne und der Kieferknochen. Um Risiken zu vermeiden, werden in der Anamnese die allgemeinmedizinische Situation und Erkrankungen erfasst.

Der chirurgische Eingriff

Beim Eingriff öffnet der Zahnarzt ambulant unter lokaler Betäubung das Zahnfleisch und präpariert den Kieferknochen, das so genannte Implantatbett, mit Spezialbohrern: Es wird ein zirka 3 bis 6 mm weites und 10 bis 15 mm tiefes Loch in den Knochen gebohrt, in welches das Zahnimplantat eingesetzt wird. Danach wird die Schleimhaut über dem Zahnimplantat wieder vernäht («geschlossene Einheilung», vom Implantat ist also erst mal nichts zu sehen) oder sie wird um den Implantathals adaptiert und vernäht («offene Einheilung»). Der Eingriff dauert je nach Anzahl der Zahnimplantate zwischen 30 Minuten und 2 Stunden und ist dank Lokalanästhesie in der Regel schmerzlos. Die Beschwerden nach der Operation sind meist gering und werden mit Schmerztabletten gelindert. Je nach Operationsmethode und Operationsdauer kann die Gabe von Antibiotika angezeigt sein.

Bei idealen Verhältnissen mit viel Knochenvolumen können die Zahnimplantate auch ohne Zahnfleischaufklappung eingesetzt werden, was nach der Operation für den Patienten praktisch keine Schmerzen und keine Schwellung verursacht. Diese Situationen sind jedoch insgesamt eher selten (< 10%).

Nicht selten ist der Kieferknochen durch Knochenschwund (Atrophie) in Höhe oder Breite reduziert, so dass die vorhandene Knochensubstanz nicht ausreicht, um die Zahnimplantate sicher aufzunehmen. Will man dennoch implantieren, so wird ein Knochenaufbau (Augmentation) notwendig, der vorgängig oder gleichzeitig mit der Implantation durchgeführt wird. Als Aufbaumaterial kommt eigener Knochen und Knochenersatzmaterial in Frage. Mehr über Knochenaufbau...

Jeder chirurgische Eingriff birgt ein gewisses Komplikationsrisiko. Die häufigsten Komplikationen einer Implantatoperation:

  • Blutung
  • Schwellung und Hämatom (Bluterguss)
  • Infektion
  • Temporäre Empfindungsstörung
  • Gestörte Wundheilung.
  • Falls die Zahnimplantate nicht einheilen und entfernen werden muss, kann nach einer Wartezeit von einigen Wochen bis Monaten allenfalls ein neues Zahnimplantat geplant werden, sofern der Zustand des Knochens dies erlaubt.

Die Einheilung (Osseointegration)

Nach 7 bis 10 Tagen erfolgt die Wundkontrolle und Nahtentfernung. Die Patientinnen und Patienten erhalten genaue Instruktionen zur Mundhygiene, die sie einhalten müssen. Während der Einheilungszeit heilen die Weichgewebe über oder um das Zahnimplantat. Die Implantatschraube verbindet sich mit dem Knochen, indem dieser direkt auf der Zahnimplantatoberfläche anwächst (Osseointegration).

Unter normalen Umständen hat das Implantat nach rund 4 bis 8 Wochen mit ca. 60 bis 90% seiner Oberfläche einen festen Kontakt mit dem Knochen, weshalb dieser Zeitraum als empfohlene Einheilungszeit für Zahnimplantate ohne Knochenaufbau gilt. Während dieser Zeit soll das Provisorium keinen Druck auf die Implantate ausüben. Im nicht sichtbaren Bereich kann auf ein Provisorium auch verzichtet werden. In besonderen Fällen ist eine sofortige prothetische Versorgung nach der Implantation möglich: Das implantatgetragene Provisorium wird innerhalb von 24 Stunden eingesetzt.

Implantatgetragener Zahnerstatz

Bei einer geschlossenen Einheilung müssen die Implantate nach Abschluss der Knochenheilung durch einen kleinen Eingriff freigelegt werden. Nach der Freilegung des Implantats kann ein Abdruck genommen und im zahntechnischen Labor der Zahnersatz hergestellt werden. Bei der prothetischen Versorgung mit einer Krone oder einer Brücke auf Implantaten sind grundsätzlich zwei Befestigungsarten möglich: verschrauben oder zementieren. Die Verschraubung hat den Vorteil, dass der Zahnersatz wieder abgenommen werden kann, die zahntechnische Arbeit ist jedoch meist teurer. Mehr über Implantatgetragener Zahnerstatz...

Sind Zahnimplantate sicher?

Zahnimplantate haben heute eine sehr gute Langzeitprognose: Über 90% der von erfahrenen Implantologen gesetzten Implantate leisten nach zehn Jahren noch klaglos ihren Dienst. Dies sind Zahlen, die andere medizinische Disziplinen nicht vorweisen können, denkt man z.B. an Hüftgelenksimplantate in der Orthopädie. Dennoch kann es gelegentlich auch bei sorgfältiger Planung und Durchführung des Eingriffs zu Misserfolgen kommen: Durch Überlastung des Knochens oder bakterielle Infektion können bisweilen Implantate oder Knochenaufbauten verlorengehen, selten kann es zur Schädigung von benachbarten Gefühlsnerven oder Zahnwurzeln kommen.

Als Risikofaktoren für Implantatverlust gelten insbesondere:

  • schlechte Mundhygiene
  • starkes Rauchen
  • ausgeprägter Knochenschwund des Kieferknochens
  • schlecht eingestellter Diabetes mit schwankendem Blutzuckerspiegel
  • Herabgesetzte Immunabwehr, z.B. bei Einnahme von Immunsuppressiva nach Organtransplantationen, bei schwerer rheumatoider Arthritis oder anderen Autoimmunerkrankungen

Regelmässige Kontrollen und eine gewissenhafte tägliche Mundhygiene sind die besten Voraussetzungen für einen dauerhaften Erfolg der Implantatbehandlung. Sollte es dennoch einmal zu einem Implantatverlust kommen, so kann in der Regel nach Ausheilung des Knochens erneut implantiert werden.